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Einf\u00fchrende Worte zur Er\u00f6ffnung der gleichnamigen Ausstellung im Kaminsaal der Villa Ichon am 7.11.2014. Sie soll bis 14. 12. 2014 laufen.<\/h1>\n
Diese kleine Ausstellung ist f\u00fcr mich wie die Eintrittskarte in eine verschwiegene Welt \u2013 in die insgeheime Komplizenschaft der Bildhauer mit einigen Fotografen und umgekehrt.<\/p>\n
Die Anst\u00f6sse f\u00fcr eine solche Komplizenschaft sind nicht schwer zu erraten.<\/p>\n
Ein Tafelmaler, ein Zeichner, die k\u00f6nnen ihre Arbeiten zumindest f\u00fcr private Zwecke problemlos reproduzieren \u2013 man hat von einem Foto oder einem Druck zumindest einen Eindruck f\u00fcr das Gesamte. Wenn es Probleme gibt, dann ist es die Farbe – wie weit sie dem Original nahe kommt.<\/p>\n
Der Bildhauer hat die Farbprobleme nicht, zumindest da nicht, wo er im \u00f6ffentlichen Raum gearbeitet hat. Wind und Wetter, Sonne und Mond k\u00f6nnen je nach Material die Farbnuancen st\u00fcndlich \u00e4ndern. Farblich gibt es da f\u00fcr unsere Augen kein Original. Sowenig wie bei einem Bachkiesel.<\/p>\n
Der Bildhauer hat daf\u00fcr andere Probleme, wie er seine Arbeit als Abbildung verbreiten soll \u2013 seine Arbeitsweise ist eine Dimension zus\u00e4tzlich. Da ist pl\u00f6tzlich eine Kunst von 360 Grad rundum und, wenn man dazu den H\u00f6henbogen vom Sockel aufw\u00e4rts \u00fcber das Ganze schl\u00e4gt, noch mal 180. Damit kann die Verwertungsindustrie nicht mehr umgehen \u2013 es w\u00e4re nicht mehr verwertbar, sprich zu teuer. Die 3 D Analyse gibt es f\u00fcr Szenen im Fu\u00dfball, aber nicht f\u00fcr die Szene auch eines einzelnen Bildhauerwerkes \u2013 und jedes einzelne Bildhauerwerk i s t eine Szene. Von \u00f6ffentlichem Interesse ist es angeblich auch nicht. Wenn man bedenkt, was allein schon die Stra\u00dfen kosten.<\/p>\n
Und so kommt es, da\u00df zwar Millionen Menschen den Denker von Rodin kennen – aber nur in der 45 Gradsicht der Postkarte, die sich mit ihrem Verwertungswinkel durchgesetzt hat<\/p>\n
Aber vielleicht bleibt es doch nicht dabei. Die Kunsthistoriker sind inzwischen auf die geheime Komplizenschaft von Fotografen und Bildhauern aufmerksam geworden. Auf die geheime 3D-Komplizenschaft. 3D nicht in einem Bild, sondern einfach nur mal rundum gegangen mit der wunderbaren Linse in dem Geh\u00e4use.<\/p>\n
Zum Beispiel gab es in Z\u00fcrich 2010 eine Ausstellung \u201eDie Fotografie der Skulptur von 1839 bis heute\u201c. Ein sp\u00e4ter Anspruch. Wohl kaum einzul\u00f6sen. Aber immerhin ein Anfang.<\/p>\n
Ein zweites Beispiel: Erst vor zwei Monaten, im September 2014 ist in Paris eine vielbeachtete Ausstellung zuende gegangen von Arbeiten des 1989 verstorbenen Robert Maplethorpe, einem erst alternativen und dann gesellschaftlichem Gro\u00dffotografen aus New York. Und was war Gegenstand der Ausstellung ? In seinem Nachla\u00df hat man was entdeckt ? Er hat den Denker von Rodin fotografiert. Er ist tats\u00e4chlich rundum gegangen. Und aufgrund dieser angeblichen fotografischen Welthistorie habe ich zum ersten Mal gesehen, da\u00df der Denker von Rodin F\u00fcsse und Zehen hat.<\/p>\n
Grzimek hat es dazu noch gewagt, Figur und Erz\u00e4hlung zusammen zu bringen. Er errichtet oben die Skulptur, die 3. Dimension und erz\u00e4hlt rund um den Sockel zun\u00e4chst auf Seite 1 das Heinesche Winterm\u00e4rchen und dann \u00fcber dieses hinaus. Das ist zwar auch ein klassisches Muster, aber selten in dieser Dichte der bildlichen Erz\u00e4hlung \u2013 sonst ist das Untenrum, wenn es stattfindet, eher dekorativ und allegorisch. Man kann es 200 Meter weiter am Olbersdenkmal an der Wallwiese studieren \u2013 und zwar durchaus ambitioniert, gekonnt und sch\u00f6n.<\/p>\n
Er, Grzimek, errichtet oben die Skulptur, habe ich gesagt – bitte lassen Sie wie ich Ihre Gedanken schweifen \u2013 was an deutschen Dichtern und Denkern und Staatsleuten, die in \u00f6ffentlichem Auftrag gemei\u00dfelt oder gegossen wurden, vor Ihren Augen auftaucht.<\/p>\n
Die stehen in Stein oder in Sonstwas.
\nKaum eine Bewegung.
\nAllenfalls mal ein Pferd drunter.
\nWie bei Bismarck und Moltke in Bremen.<\/p>\n
Und hier sitzt einer auf einem Hocker und fuchtelt. Grzimek.<\/p>\n
Als Heine das Winterm\u00e4rchen in seiner Muttersprache und in seinem Heimatland 1844 ver\u00f6ffentlichen konnte, war er schon 13 Jahre im erzwungenen Exil in Frankreich. Und Frankreich war schon 1844 f\u00fcr die kommenden 100 Jahre der angeblich deutsche Erbfeind, bis hin zum Hitler-Foto unterm Eifelturm. Vor dem Kreml hat der sich allerdings nie fotografieren lassen k\u00f6nnen. Inzwischen scheint es wieder Anw\u00e4rter und Anw\u00e4rterinnen auf dieses Foto zu geben. Vielleicht ein neuer Erbfeind, warum auch immer. Dabei hatte schon Napoleon seinen Zeichner zwar dabei, konnte ihm aber nicht die erw\u00fcnschten Motive liefern.<\/p>\n
Nach dem Winterm\u00e4rchen wurde Heine gar steckbrieflich verfolgt.<\/p>\n
Da\u00df er heute in seiner Bremer Denkmal-Position am Altenwall zu Kunsthalle und Villa Ichon auf das ehemalige Polizeigeb\u00e4ude schaut, so leicht sp\u00f6ttisch, wie es ihm ansteht, ist eine sch\u00f6ne Zugabe f\u00fcr den Standort.<\/p>\n
Das Denkmal entstand in der ersten H\u00e4lfte der 1950er Jahre als Auftrag des Magistrats Berlin-Ost. Wie \u201erevolution\u00e4r\u201c das war, l\u00e4\u00dft sich evtl. daran ermessen, da\u00df es in Heines Geburtsstadt D\u00fcsseldorf geschlagene 20 Jahre dauern mu\u00dfte, bis sich dort 1988 (!) der Name der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t durchsetzen konnte.<\/p>\n
Das Denkmal fand dann damals im Ostteil von Berlin nicht den urspr\u00fcnglich vorgesehenen zentralen Platz \u2013 was den Bildhauer sehr ge\u00e4rgert haben mu\u00df. Man bildhauert bei Stadtraum ja nicht nur in die Luft, sondern auch in eine bestimmte Umgebung. Zuvor hatte er schon 1953 im nahen Ludwigsfelde eine kleinere Vorversion aufstellen lassen. Bestimmt hat er drei Jahre an dem Denkmal gearbeitet.<\/p>\n
Aber es scheint ein ziemliches Gezerre um die Deutungshoheit \u00fcber Leben und Werk Waldemar Grzimeks im Gange zu sein. Die Internet-Eintr\u00e4ge ver\u00e4ndern sich, der Magistrat Berlin-Ost ist pl\u00f6tzlich verschwunden, statt dessen taucht eine Einrichtung auf, die aber eine Einrichtung des Magistrats Berlin-Ost war. Es dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, da\u00df z.B. Magistrat Berlin-Ost m\u00f6glichst verschwinden soll.<\/p>\n
Wenn dem so w\u00e4re, w\u00e4re es sehr ungerecht gegen\u00fcber dem Leben und der Arbeit Waldemar Grzimeks, der die DDR immer geachtet hat.<\/p>\n
Nach 1945, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, bekam er seinen ersten Lehrauftrag in Halle an der Saale an der Kunsthochschule Giebichenstein.<\/p>\n
Dort war \u00fcbrigens Gerhard Marcks von 1928 bis 1933 Direktor, 1933 vertrieben mit vielen anderen von der mit viel Geld staatlich installierten braunen Hexenverbrennungs-Elite \u2013 den Oberkellnern f\u00fcr den \u201eHunger\u201c nach Land, Getreide, \u00d6l, Metallen und Weltherrschaft<\/p>\n
Sp\u00e4ter in der DDR war die Hochschule eng verbunden mit dem Namen Willi Sitte \u2013 auch er aus ganz anderen Gr\u00fcnden fast getilgt aus ihren Annalen.<\/p>\n
F\u00fcr Grzimek folgte ungef\u00e4hr um 1948 eine Professur an der Kunsthochschule Charlottenburg im Westen Berlins. Die \u00fcbte er aus, als die damaligen deutschen Separatisten der amerikanischen, britischen und franz\u00f6sischen Besatzungszonen 1949 ihren eigenen Staat machten, ohne den Osten. Dahin, in den Osten, ging er dann wieder, an die hochangesehene Kunsthochschule Weissensee \u2013 Nachfolger und zeitweiliger Kollege dort von Gustav Seitz, einem Bildhauer, zu dem Hamburg und Bremen besondere Verbundenheit haben<\/p>\n
Grzimeks Heine-Denkmal steht in Berlin jetzt wieder ungef\u00e4hr am urspr\u00fcnglich vorgesehenen Platz bei der Humboldt-Uni \u2013 in einem zweiten Gu\u00df, weil die Anwohner des Weinbergparks i h r Denkmal, wo es seit den 1950ern als eigentlich da nicht so vorgesehen stand, nicht mehr hergeben wollten.<\/p>\n
1984 ist Waldemar Grzimek im Alter von nur 66 Jahren gestorben. Seinen Nachla\u00df hat er dem Gerhard-Marcks-Haus in Bremen vermacht. Bremer B\u00fcrger mit Sinn f\u00fcr Kunst und Geschichte und einem ausgeglichenen Kontostand haben eine dritte Realisation dieses Werkes m\u00f6glich gemacht. Es geb\u00fchrt ihnen gro\u00dfer Dank von uns allen \u2013 auch angesichts der nicht immer einfachen Umst\u00e4nde.<\/p>\n
So steht jetzt in Bremen zwischen Altenwall, Kunsthalle und in Sichtweite der Villa Ichon Grzimeks Heine Denkmal \u2013 es schl\u00e4gt einen Bogen \u00fcber deutsche Geschichte von 1848 fast bis heute und ist selbst schon ein Teil davon. Geformt von einem gro\u00dfen K\u00fcnstler. Es w\u00e4re zu sch\u00f6n, wenn im Laufe der Jahre viele Bremer w\u00fc\u00dften, wo i h r Heine-Denkmal steht.<\/p>\n
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Heine – Ein Denkmal mit vier Seiten Bestands-Aufnahmen von Hannes St\u00fctz und seiner Kamera Hrsgg. von der Villa Ichon e.V., Bremen 2014 Zum Vergr\u00f6\u00dfern und Weiterbl\u00e4ttern bitte auf die Vorschaubilder klicken. Einf\u00fchrende Worte zur Er\u00f6ffnung der gleichnamigen Ausstellung im Kaminsaal … Weiterlesen →<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/797"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=797"}],"version-history":[{"count":21,"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/797\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4358,"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/797\/revisions\/4358"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hannes-stuetz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}